Interview

Wir haben immer an unsere Ideen geglaubt. Und für sie gekämpft.

Dieter Becken und Dr. Michael Becken sprachen mit Lars Kreyenhagen über Millioneninvestitionen, Lieblings­architekten und warmen Sekt um 10 Uhr in der Früh.


Welches der Weltwunder der Antike hätten Sie gerne gebaut?
DB

Die Pyramiden! Mit der Technik von heute wäre das auch kein Problem. Damals musste man jeden Quader von Hand bewegen.


MB

Die Pyramiden hätte ich schon deswegen gern gebaut, weil sich alle fragen würden, wie hat Becken das bloß gemacht.


Sie sind in den 60er-Jahren eher zufällig in Hamburg gelandet. Hat die Stadt für Sie eine besondere Bedeutung für den Erfolg?
DB

Auch in anderen deutschen Metropolen hätte man sicher erfolgreich werden können. Was damals für Hamburg schon ein Novum war, dass ein privater Unternehmer ein Gebäude realisiert, das 100 Millionen kostet! Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe immer wieder innovative Projektideen angeboten. Und der damalige Oberbaudirektor Kossack schrieb einmal, dass ich mit meinen Immobilien die Hansestadt mitgeprägt habe.


An welche Projekte denken Sie da?
DB

Ich denke da nicht nur an meine Projekte in der City-Süd! Auch die Idee eines Musikhauses auf einem Speicher mitten auf der Elbe wurde beim Richtfest eines meiner Projekte geboren. Wir haben damals so lange mit dem damaligen Senator Peiner über eine Philharmonie auf der Elbe diskutiert, bis er uns versprach, das Projekt dem Ersten Bürgermeister vorzustellen. Gerne hätte ich die heutige Elbphilharmonie selber umgesetzt. Vielleicht wäre es ja etwas günstiger geworden. Dies ist mir beim Bau des neuen Polizeipräsidiums schließlich gelungen, gleichwohl man beide Vorhaben kaum vergleichen kann und die Elbphilharmonie eine besondere Herausforderung mit vielen Details ist. Immer wieder habe ich aber auch den Satz zu hören bekommen: Kommen Sie morgen wieder, Herr Becken, dann sehen wir weiter! Das habe ich gemacht. Nur so hat man die Chance, seine Ideen umsetzen zu kön­nen. Man muss immer an seine Ideen glauben.


Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken


Es kommt also vor allem auf Hartnäckigkeit an? 
DB

Sicher! Das Polizeipräsidium ist so ein Fall. Die Stadt entschied, dass die Polizei am Berliner Tor nicht mehr bleiben kann. Bis dahin haben rund 1.800 Beamte in dem asbestverseuchten Gebäude gearbeitet! Die Stadt hat für das neue Polizeipräsidium einen Wett­bewerb ausgelobt. Wir haben uns beteiligt und alles gegeben und konnten unsere Idee schließ­lich durchsetzen. Mit vielen anderen Visionen sind wir dagegen gescheitert. Die Living Bridge zum Beispiel. Die ist an dem banalen Einwand gescheitert, dass vermeintlich die Silhouette der Hansestadt verbaut würde!


Sie haben Ihr Portfolio kurz vor der Finanzkrise im Jahre 2007 an einen Immobilienfonds der Bank Morgan Stanley verkauft. Haben Sie diese weltweite Krise vorhergesehen?
DB

Der Verkauf wurde am 23. Dezember 2006 abgeschlossen. Der Finanzmarkt und zeitlich nachgelagert auch der Immobilienmarkt sind ein halbes Jahr später erheblich ins Bröckeln geraten. Wenn jemand fragt, ob ich das vorher gewusst habe, würde ich dies gerne bejahen. Das stimmt aber nicht. Erst ab dem Spätsommer 2007 konnten viele Port­folio­verkäufe nicht mehr abgewickelt werden. Anschließend kam es zu einem sukzessiven Preis­verfall. Die Krise konnte Ende 2006 noch keiner absehen. Ich kann mich noch gut an diesen Tag vor Weihnachten erinnern. Die Beurkundung ging um 16.00 Uhr los und dauerte die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen um zehn.


MB

Alle zwei Stunden kam eine SMS: Das dauert noch! Die letzte SMS lautete dann: Wir sind fertig. Es gibt warmen Rotkäppchen-Sekt.


DB

Wenn ich mich recht erinnere, konnte ich nicht mehr als ein halbes Glas trinken. So angespannt war ich, schließlich ging es hier um mein Lebenswerk. Was am 23. Dezember wirk­lich passiert ist, habe ich erst in dem Moment realisiert, als die erste Kaufpreistranche einging und ich endlich meine Kredite zurückführen konnte.


Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken


Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem Verkauf im Jahre 2006 verändert?
DB

Damals habe ich alles selbst gemacht. Ich war Manager, Bauleiter, Architekt, Statiker in einer Person. Heute sind diese Funktionen auf viele Mitarbeiter und Gesellschaften verteilt. Aber der Spirit ist geblieben: Bei uns muss jeder mit der gleichen Energie und Leidenschaft an Projekte herangehen wie ich damals und heute.


MB

Die Neustrukturierung des Unternehmens hat eine neue, eigenständige Management­ebene hervorgebracht. Dennoch spielt die Familie in unserem Unternehmen nach wie vor eine zentrale operative Rolle. Wir sorgen dabei insbesondere dafür, dass die Manager unsere Sprache sprechen und Teil des familien­geführten Unternehmens sind. Wir sind daher ein schlagkräftiges, flexibles management-geführtes mittelständisches Familienunterneh­men und kein unbeweglicher Koloss.


Hatten Sie im Vorhinein einen Masterplan für die neue Unternehmensstruktur?
DB

Ich hatte die Firmenstruktur als moderne Holdingstruktur schon vor dem Verkauf bis ins Detail geplant. Die einzelnen Geschäftsbereiche sollten in eigene Gesellschaften sepa­riert werden und mit einer Doppelspitze in der Geschäftsführung durch frühere Abteilungsleiter fortan eigenverantwortlich geleitet werden. Als dies dann konkret wurde, ist der ein oder andere blass geworden. Aber Verantwortung zu übernehmen ist genauso schwer, wie Verantwortung abzugeben. Das war für meine Mitarbeiter ein genauso großer Schritt wie für mich.


Welche Bedeutung spielt das Asset Management im Unternehmen Becken?
MB

Asset Management heißt mit der Immobilie als Investitionsobjekt proaktiv umzugehen und für den Eigentümer optimal zu managen, damit es eine nachhaltige Kapitalanlage bleibt. Das haben wir bis zum Verkauf des eigenen Portfolios schon über 30 Jahre perfekt gemacht. Nicht ohne Grund war das damalige Becken­ Immobilienportfolio für einen internationalen Immobilienfondsmanager so attraktiv, dass er es in Gänze übernommen hat. Auch wenn wir im Herzen Projektentwickler bleiben, bieten wir diese Kompetenz auch anderen Anlegern als Dienstleister an. Denn wer kann das besser als jemand, der Immobilien selbst entwickelt und jahrelang erfolgreich gehalten hat? Asset Management gehört praktisch zu unserer DNA.


»Wir sind ein schlagkräftiges und flexibles managementgeführtes mittelständisches Familienunternehmen.«

Dr. Michael Becken


Sie werden mit dem Satz zitiert: »Besser ein guter Investor als ein mittelmäßiger Architekt.« Welche Rolle spielt Architektur für Sie?
DB

Ich habe eine große Nähe zur Architektur, schließlich habe ich dieses Fach studiert. Ich liebe es, Häuser zu gestalten, Fassaden und Räumen eine Form zu geben. Auch wenn ich mir heute nicht vorstellen kann, als Architekt zu arbeiten.


MB

Unser Unternehmen ist gerade in den großen Metropolen stark vertreten. Hier ist die Konkurrenz groß. Nur wer attraktiv und innovativ baut, kann sich am Markt behaupten. Wir wollen und müssen den Nutzern und den Eigentümern etwas Besonderes liefern. Deswegen sind gute Architektur und Innen­architektur so entscheidend.


Wie stark bestimmen Sie die Auswahl der Archi­tekten?
DB

Wenn Sie zehn Architekten anfragen, bekommen sie zehn verschiedene Entwürfe. Jeder ist überzeugt, dass sein Entwurf der beste ist. Aber einer muss entscheiden. Unsere Gebäude stehen hier nur, weil ich mich für den Entwurf persönlich starkgemacht habe. Das Berliner Tor Center ist ein gutes Beispiel. Da gab es 14 Entwürfe, darunter auch ganz verrückte Ideen. Einer von ihnen erinnerte irgendwie an Hundertwasser. Ich habe früh die Qualität eines Entwurfes erkannt und alles dafür gegeben, dass sich die Jury für diesen Entwurf entscheidet. Als Immobilienunternehmer braucht man ein gutes Gespür für Ästhetik. Dafür ist es nicht zwangsläufig nötig Architekt zu sein.


Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken


Haben Sie einen Lieblingsarchitekten?
DB

Ich kann nicht sagen, dass ich einen Lieblingsarchitekten habe. Ich suche die aus, die den aktuellen Zeitgeist am besten treffen und dennoch innovativ sind. Wir haben schon immer Wert darauf gelegt, mit guten und namhaften Architekten zusammenzu­arbeiten. Immo­bilienobjekte unterliegen – wie alles andere – stets einem gewissen Trend und müssen sich an die sich ständig verändernden technischen Anforderungen und Entwicklungen anpassen sowie die aktuellen Wünsche der Nutzer erfüllen. Hieran orientieren wir uns auch bei der Architektenauswahl.


Was ist der Unterschied zwischen Wohn- und Geschäftsbauten?
DB

Bei Bürogebäuden gibt es mehr Geld für gute Architektur. Beim Wohnungsbau dagegen müssen wir mit geringerem Budget gute Architektur erreichen, dennoch schaffen wir es auch in diesem Segment attraktive Immobilien zu bauen. Das beweist unter anderem unser aktuelles Projekt in Frankfurt. Auch wenn man uns vor allem wegen unserer Bürogebäude kennt, so haben wir doch schon immer Wohnungen gebaut, auch öffentlich geförderte. Gerade das mittlere Preissegment bedienen wir im Wohnungsbau gerne.


MB

Man muss Wohngebäude auf jeden Fall im Portfolio haben, unseres besteht zur Hälfte aus Wohnungen. Die Metropole wird immer attraktiver. Insofern ist das ein relativ sicheres Investment, auch wenn es faktisch mehr Arbeit bedeuten kann. Der Wohnungsmarkt verhält sich anders als der gewerbliche Markt, der starken Zyklen unterworfen ist. In der Regel kommt es in einer Metropole aber nicht vor, dass ein Wohnhaus eine längere Zeit leer steht, wenn es gut gemanagt wird.


Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

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Sie haben vor vier Jahren das Finnlandhaus gekauft, in das Ihr Unternehmen 2017 einziehen wird. Was war der Grund?
DB

Ein Stammhaus für unser Unternehmen war immer mein Traum. Und natürlich hatte ich den Wunsch, dass es in allerbester Lage steht. Das Finnlandhaus hat für mich persönlich die beste Lage in Hamburg: mitten in der City, mit bester Infrastruktur, direkt an Binnen- und Außenalster und mit einem unglaublich schönen Blick auf die Stadt.


Wie sieht die Zukunft von Becken aus?
DB

Vor kurzem habe ich die Baustelle des Esplace besucht, weil dort gerade ein erstes Stück der Fassade fertig gestellt wurde. Ich würde mir wünschen, dass ich auch in Zukunft die Zeit haben werde, weiterhin meine Baustellen zu besuchen. Leider rückt das Managen von Zahlen, Daten und Fakten immer mehr in den Vordergrund und nimmt an Bedeu­tung zu. Es wird für uns in Zukunft noch mehr um die Immobilie als Investitionsobjekt gehen, weil der Markt zunehmend komplexer wird. Wenn ich zurückblicke, womit ich vor knapp 40 Jahren angefangen habe, nämlich mit der Planung und Entwicklung sowie der Baubegleitung von Häusern, so hat sich mein Unternehmen enorm entwickelt und verändert. Aber eines kann ich feststellen: Die Immo­bilie als Investitionsgut begreifen können wir sehr gut! Schließlich sind wir schon vor vielen Jahren zu einem modernen Immo­­bilienmanager avanciert! Deshalb mache ich mir um unsere Zukunft auch keine Sorgen.


Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken

Interview mit Dieter Becken und Dr. Michael Becken